Wiener Mechaniker­räder

26.8.2016

Ausgetüftelte Handwerkskunst und viel Liebe zum Detail – das alles zeigt die Ausstellung „Wiener Mechanikerräder“. Eine Hommage an die Wiener Fahrradkultur mit Liebhaberstücken von 1930 bis 1980.

Zusammengestellt wurde die Sammlung aus über 100 verschiedenen Marken. Was alle gemeinsam haben: Wien als Produktionsstätte. Begonnen als Liebhaberprojekt, dauerte das Zusammentragen von Informationen und Material mehr als 30 Jahre, nun konnte alles in einem Buch zusammengestellt werden. Das Ziel: das Bewahren vergangener Spuren und das sichtbar Machen einer einst blühenden Wiener Fahrradkultur, die es gilt, wieder aufleben zu lassen.

Wir haben mit Verlagsleiter Richard Hollinek über die Wiener Fahrradkultur von gestern und heute gesprochen.

Was hat es mit der Ausstellung zu den „Wiener Mechanikerrädern“ auf sich?

Die Ausstellung soll dem Besucher einen Eindruck vermitteln, wie reich die Fahrradkultur in Wien einmal gewesen ist und vielleicht im Ansatz wieder werden könnte. Über 100 Marken sind durch kleine und sehr kleine Werkstätten im Zeitraum von 1930 bis 1980 entstanden, oft mit viel Liebe zum Detail und hoher Handwerkskunst. Eine kleine Ausstellung in Verbindung mit dem dazu passenden gleichnamigen Buch wird dem Besucher ebenso präsentiert wie Gespräche mit den Autoren und Sammlern.

Als Verlag könnt Ihr auf eine über 140-jährige Geschichte zurückblicken. Warum habt Ihr Euch dabei auf das Thema Technik spezialisiert?

Der Verlag Brüder Hollinek befindet sich seit 140 Jahren in Familienbesitz und hat sich auf Fachpublikationen spezialisiert. Ich übernahm im Mai 2012, nach diversen Stationen in verschiedenen Werbeagenturen, den elterlichen Betrieb. Als Ausgleich zu meinem Bürojob hatte ich angefangen, an alten Fahrrädern zu basteln und mich mit der Fahrrad-Technik auseinanderzusetzen. Auf das Sammeln von alten Fahrrädern kam ich dann erst relativ spät. Meine Sammelleidenschaft bezog sich zuerst auf Oldtimer und alte Motorräder. Inzwischen besitze ich ungefähr ein Dutzend Räder unterschiedlicher Marken. Das Buch „Wiener Mechanikerräder“ ist somit auch persönliches Nachschlagewerk für meine Leidenschaft und das optimale Resultat von Hobby und Beruf.

Was fasziniert Dich so an der Technik von Fahrrädern?

Einerseits die handwerklichen Fähigkeiten der Rahmenbauer, aus einzelnen Rohren einen perfekt passenden Rahmen zu löten, andererseits die reine Mechanik der Anbauteile wie Bremsen und Schaltwerk. Mit etwas Geschick ist es möglich, ein Fahrrad, das mehr als 70 Jahre in einer Garage gestanden hat, wieder auf die Straße zu bringen und flott zu machen.

Hast Du eine Lieblingsmarke?

Ja, die Wiener Fahrradmarke SELECT, einer der größten Wiener Hersteller, der vor allem im Rennsport zur Legende wurde. Franz Wimmer schraubte 1954 den Stundenweltrekord für Amateure auf 43,337 Stundekilometer daher gab’s daraufhin den Weltrekord-Aufkleber auf SELECT-Rädern und dieser Ruhm färbte auch die Alltagsräder bunt. Die Farbgebung war wichtig, um bei Rennen für die Marke zu werben, die Rennräder in gelb/rot oder weiß/gelb waren auffällig und brachten Kunden ins Geschäft, die dann auch Sporträder in anderen Farben ordern konnten.

Wie schätzt Du heutzutage die Wiener Fahrradkultur ein?

Die Fahrradkultur Wiens ist seit den 1990er Jahren ein ständig wachsender Trend, der sich aber in den letzten fünf Jahren explosionsartig zu einer echten Kultur entwickelt hat. Die Zahl der Rahmenbauer lässt sich zwar noch an einer Hand abzählen, jedoch lässt das große Interesse an der Wiener Rahmenbau-Kultur vergangener Tage für die Zukunft nur das Beste hoffen!